Professionell Blumen fotografieren: Motive, Gestaltung und Technik

Stempelwald
Ein Stempel wie aus dem Bilderbuch bietet diese Kamelie.

Große Bilder von Blumen oder Pflanzen auf Leinwänden oder gerahmt sind die perfekte Dekoration in den eigenen vier Wänden.

Und wenn man selbst Blumen fotografieren möchte? Ob eine exotische Orchidee, die rosafarbene Kamelie oder ein blühendes Meer aus Azaleen: mit ein wenig Wissen und Übung lassen sich mit der eigenen Kamera tolle Ergebnisse erzielen, die vielleicht schon bald das heimische Wohnzimmer zieren.

Blumen fotografieren: Der letzte Mohikaner

Sofort fällt der Blick auf die knallige Blüte, die im Goldenen Schnitt liegt und durch die Wassertropfen noch ein wenig aufgepeppt wird.

Blütentraum im Frühling, Farbenrausch im Herbst

Prinzipiell lassen sich das ganze Jahr über schöne Blumenmotive einfangen. Der Herbst und ganz besonders der Frühling sind aber die idealen Jahreszeiten für eindrucksvolle Fotos. Zwischen Ende März und Mitte Mai ist die Vielfalt der Blüten am größten.

Neben der Jahreszeit haben auch die Tageszeit und das Wetter bedeutenden Einfluss auf die Bildstimmung. Die Sonne zur Mittagszeit wirft beispielsweise harte Schatten, das Foto erscheint flach und farblos. Zudem sind die Kontraste von hell zu dunkel so hoch, dass sie von der Kamera nicht bewältigt werden können. Blüten erscheinen reinweiß überstrahlt oder im Schatten liegende Blätter versinken in tiefem Schwarz.

Bei einem bewölkten Himmel dagegen verschwinden die Schatten und Detailaufnahmen von Blüten oder Blättern bekommen eine träumerische Note. Abendliches Gegenlicht lässt – sofern man aus der Froschperspektive fotografiert – helle Kränze um das Motiv entstehen.

Blumenpracht

Das bunte Farbenspiel der Blüten wird durch Einbeziehung der baulichen Umgebung (hier das Außengelände eines Pavillons) aufgelockert.

Von Gartenlandschaften bis zum Blütenstempel

Aufmerksame Fotografen haben (auch ohne die Kamera dabei zu haben) ein gutes Auge für geeignete Motive. Diese liegen oft ganz nah: im eigenen Blumenbeet, Parks, auf wilden Blumenwiesen oder in botanischen Gärten. Sogar am Straßenrand oder auf bepflanzten Inseln von Kreisverkehren lässt sich Spannendes fotografieren.

Blumen fotografieren: Anemonenpärchen

Die makellosen Anemonen harmonieren als leicht versetztes Paar sehr gut.

Je nach Örtlichkeit und eigener Vorliebe können Motive ganz unterschiedlich ausfallen. Während der eine große Gartenlandschaften wie im Keukenhof bei Amsterdam dokumentiert, konzentriert sich der andere auf Details einzelner Pflanze oder nur deren Blütenblätter.

Eine ganz neue Welt erschließt sich demjenigen, der die (technischen) Hürden der Makrofotografie überspringt. Mit ihr lassen sich Nahaufnahmen von Blütenstempeln oder Blattstrukturen in beeindruckenden Bildern festhalten. Dafür ist nicht zwingend eine Spiegelreflexkamera mit Makroobjektiv Voraussetzung. Viele Kompaktkameras bieten ein Motivprogramm „Makro“, mit dem man sich bis auf wenige Zentimeter dem Objekt nähern kann.

Blumen fotografieren: Vergissmeinnicht

Das Spiel mit der Unschärfe wird durch einen Farbkontrast von Vorder- und Hintergrund verstärkt.

Ein Frage der Perspektive und Gestaltung

Gerade in der Blumen- und Pflanzenfotografie lohnt sich ein Perspektivwechsel. Während man in üblicher Haltung aus dem Stand das Motiv in der Regel nur von oben aus ablichten kann, eröffnen sich viel spannendere Blicke aus der Hocke oder gar in Bauchlage.

Wie bei allen Fotografie-Genres fördern die Bildaufteilung und -gestaltung entscheidend die Qualität. Allgemeine Kompositionsregeln wie der Goldene Schnitt bzw. die Drittelregel, Rahmung oder die Anwendung von Farb- und Formenkontrasten gelten natürlich auch in der Blumenfotografie.

Folgende Tipps dienen als Anregung zum Experimentieren:

  • Blüte zentral von oben fotografieren, um deren Beschaffenheit (z. B. Symmetrie) hervorzuheben
  • Starker Farbkontrast zwischen Motiv und Hintergrund (Kirschblüten vor blauem Himmel)
  • Je ein Motiv im Hintergrund und Vordergrund, wobei der Hintergrund in Unschärfe verschwimmt
  • Herausstellen einer einzelnen Blume oder Pflanze aus ihrer Umgebung (rote Tulpe vor dem Beet von Stiefmütterchen oder Blatt am Zweig)
  • Einbeziehen von Objekten aus der Umgebung (Geländer, Brücke, Statue, Bachlauf)
Blumen fotografieren: Hortensienmeer

Der kurzen Motivabstand zeigt Wirkung: der Betrachter hat den Eindruck, die Blüten gehen weit über die Bildränder hinaus.

Technik und Ausrüstung

Auch mit dem Smartphone lassen sich schöne Blumenfotos kreieren. Eine der wichtigsten Gestaltungsmittel in der Fotografie, die Freistellung, ist damit aber kaum möglich. Das Motiv lässt sich nur dann vom Hintergrund lösen, wenn die Kamera bzw. das Objektiv, genug Lichtstärke aufweist. Dann verschwimmt die Ferne in Unschärfe und das Auge des Betrachters konzentriert sich auf das scharf gestellte Motiv.

Nützlich sind zudem die Displaylupe zum exakten Fokussieren und ein klappbarer Monitor für Fotos aus der Bodenperspektive. Ein Stativ verhindert verwackelte Fotos. Eine günstige Alternative dazu ist der Bohnensack (oder Kirschkernkissen) zur Ausrichtung der Kamera. Für Windschutz sorgt ein Rucksack oder Regenschirm.

Darüber hinaus lassen sich mit wenigen Hilfsmitteln die eigenen Fotos noch etwas aufpeppen. Mit dem Pflanzensprüher versieht man Blätter mit Wassertropfen und verleiht so dem Bild mehr Lebendigkeit. Ein schwarzer Karton kann als Hintergrund dienen und das Motiv schön herauslösen.

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