Top-Locations der modernen Architektur: Ferner Osten

Skyline von Hong Kong Island

Asien, der schillernde Kontinent im Osten hat in den letzten Jahrzehnten eine erstaunliche Entwicklung vollzogen. Das 21. Jahrhundert wird im Zeichen des größten Kontinents stehen.

Laut des britischen Magazins „The Economist“ wird Chinas Wirtschaft die USA 2016 überholen. Nun ist China nicht gleichzusetzen mit dem Fernen Osten und die USA nicht mit der westlichen Welt. Dennoch sagen viele, dass hinsichtlich moderner Architektur der Osten den Westen bereits überholt hat.

Viele der weltweit spektakulärsten Highend-Bauten stehen in Ostasien. Dieser Artikel der Serie „Top-Locations der modernen Architektur“ zeigt einige davon.

Die heutige Architektur ist ein internationales Geschäft. Die Vermutung, dass sie überall gleich aussieht, liegt nahe und ist teilweise auch korrekt. Aber es gibt regionale Unterschiede. Die japanischen Architekten Kenzo Tange und Tadao Ando beispielsweise verbanden bzw. verbinden traditionelle japanische Baugedanken mit der Internationalen Moderne.

Die Architektenbüros WOHA aus Singapur und MAD Architects aus Peking schaffen keine kalten Glas- und Stahlbauten, sondern technologisch und ökologisch fortschrittliche Gebäude. Diese sind teilweise so grün, dass wie eine moderne Version der Hängenden Gärten der Semiramis aus der Antike erscheinen.

Natürlich entstehen bei all der Vielfalt Kontraste. Diesen liegen sehr unterschiedliche Denkweisen zu Grunde. In Japan sind Strömungen zu beobachten, die Altes mit Neuem verbinden wollen. Ein „Ineinander“ oder zumindest „Nebeneinander“ ist das Credo. In China muss dagegen häufig vieles Altes dem Neuen weichen.

Jede aufgeführte Region bewerte ich mit zwei Einschätzungen. Das „Potenzial“ soll objektiv die Menge und Vielfältigkeit der Motive wiedergeben. Die „Wertung“ ist eine Note, die auch infrastrukturelle und organisatorische Punkte (Erreichbarkeit und Zugänglichkeit der Locations, Sicherheitsbestimmungen, Klima und Wetter etc.) und auch subjektive Präferenzen beinhaltet.

SingapurSingapur Skyline und Riesenrad

Singapur ist ein Stadtstaat in Südostasien und zählt zu den am dichtesten besiedelten Gebiete der Welt. Als Sir Thomas Stamford Raffles 1819 dort einen Handelsposten der East India Company eröffnete, fand er nur Mangrovensümpfe und ein paar Fischer und Piraten vor. 60 Jahre später wohnten hier bereits über 100.000 Menschen, und der (See-)Handel florierte.

Unter den heute über fünf Millionen Einwohnern leben viele Gastarbeiter. Und das wesentlich harmonischer und integrierter als beispielsweise in Dubai, aber trotzdem nicht ohne Konflikte. Singapur ist bekannt für seine strengen Gesetze, die auch bei verhältnismäßig kleine Vergehen (bspw. die Missachtung des Rauchverbots) mit drakonischen Strafen belegt werden. Diese Abschreckung funktioniert.

Neben dem gigantischen Handelsvolumen, u.a. wegen des riesigen Hafens, hat sich die asiatische Großstadt einen Namen als Finanzplatz gemacht und zieht durch liberale Wirtschaftspolitik viele Investoren an. Sie ist ein Schmelztiegel asiatischer Kulturen, in dem das Zusammenleben meist gut, sicher und sauber funktioniert.

Singapur steht wie kaum ein anderer Ort für ein symbolträchtige, ikonenhafte Baukunst. Neben den internationalen Architekten versuchen auch viele lokal ansässige Stadtplaner, Architekten und Bauingenieure der Metropole eine eigene architektonische Identität zu geben.

Hoch

Mit 280 Metern Höhe ist das Republic Plaza in der Liste der höchsten Gebäude der Welt weit abgeschlagen. Aber darauf kommt es nicht an.

  • Marina Bay Sands: Das 4,6 Milliarden Euro teure Superluxus-Ressort besteht aus drei schlanken, leicht gewölbten Türmen, die über eine 300 Meter lange Dachterrasse verbunden sind. Darauf befindet sich ein Garten und selbstverständlich ein 146 Meter langes Schwimmbad.
  • Raffles Place heißt der Platz mit den drei höchsten Häusern der Stadt: One Raffles Place, dessen Außenhaut mit einer Aluminiumlegierung versehen ist, die je nach Lichteinstrahlung ihre Farbe wechselt. Die oktogonalen Doppeltürme des UOB Plaza mit luftigem Atrium und das Republic Plaza, das auf maximalen Platz ausgerichtete Bürohochhaus.
  • The Sail: Ein Wohnhochhaus an der Marina Bay, das – inspiriert durch Singapurs Verbundenheit mit dem Meer – einem Segel ähnelt. Ein markanter Punkt in der Skyline.
  • Axa Tower: Der weißer Zylinder misst 235 Meter.

Rund

Architektur ist in Singapur häufig eine runde oder zumindest rundliche Sache. Mit den vielen organischen Strukturen gelingt der Bezug zur Natur.

  • Esplanade – Theatres on the Bay: Konzerthalle und Theater, die einem Igel, einem Insektenauge und der tropischen Frucht Durian ähnelt. Außergewöhnlich und deshalb auch polarisierend.
  • Art Science Museum: Das Kunstmuseum ist eine Lotusblüte mit zehn Blättern, die passenderweise von Wasser (Marina Bay) umgeben ist. Das tellerartige Dach lässt den Regen in der Mitte zusammenlaufen und ergießt sich als Wasserfall ins Gebäude.
  • VivoCity: Ein Einkaufszentrum mit eingeschnittenen, rundlichen Fassadenplatten. Die Gebäudeteile sind harmonisch miteinander verknüpft und erinnern an Wellen und Meer.
  • ION Orchard: Shopping Center und Wohnhochhaus. Die futuristische Frontfassade hat organische Strukturen und symbolisiert den Obstgarten (engl. orchard) vom Samen bis zum Baum.
  • Iluma: Mosaikartige Fassade, die aus einer Matrix beleuchteter Kunststoffelemente besteht. Nebenbei eine riesige Video-Leinwand.
  • Singapore Flyer: Erfüllt mit „hoch“ und „rund“ gleich zwei Adjektive, die Singapur beschreiben. Ist zudem das derzeit größte Riesenrad der Welt.

Grün

Autos sind in Singapur nur mit einer Genehmigung zu nutzen und werden hoch besteuert. Die tropische Stadt lebt in gewissem Ausmaß ihre ökologische Philosophie. Und da spielt das Grün eine wichtige Rolle. In, um und mit den Gebäuden.

  • Gardens by the Bay: Diese spektakuläre Gartenwelt befindet sich in riesigen Gewächshäusern. 50 Meter hohe Mammutbäume aus Stahl sind mit 200 verschiedenen Pflanzenarten begrünt. Eine versuchte Symbiose aus Material und Natur.
  • Changi-Airport: Das Starten und Landen am Flughafen wird hier zur Nebensache. Die Architektur der Gebäude ist nichts ungewöhnliches, wohl aber deren Nutzung. Thematische Gärten (Orchideen, Kakteen, Schmetterlinge) mit Pflanzenkübeln, Palmeninseln und kunstvoll drapierte Blumenarrangements sowie ein Wasserfall und eine 300 Meter lange und 15 Meter hohe grüne Wand sind die Höhepunkte.
  • Pinnacle@Duxton: Wohnkomplex aus sieben Türmen, der im Design dem Motto „sky houses, flying green“ folgt. Das sind zum Beispiel 500 Meter Garten in luftiger Höhe.
  • Moulmein-Rise-Turm: Mehrfach preisgekröntes Wohnhochhaus. Spezielle Dächer und Fassaden bieten Schutz vor Monsun und Sonneneinstrahlung. Die Architekten selbst wohnen hier.

2014 richtet Singapur das World Architecture Festival aus. Zu Recht, denn die hiesigen Bauwerke und Architekten heimsten bereits in der Vergangenheit viele Preise ein. Für die Zukunft bis 2030 gibt es schon einen Masterplan, der auch die Platzprobleme angeht. Die Einwohnerzahl steigt, aber die Fläche ist begrenzt. Man muss sich vor Augen führen, dass Singapur kleiner als Hamburg ist.

Eine tolle Übersicht über Singapurs Architektur bietet der Artikel aus der Neuen Zürcher Zeitung. Ich für meinen Teil wurde während der Recherche dieses Artikels von den Bildern mitgerissen und erkläre diese Stadt zu meinem persönlichen Ziel Nummer eins für moderne Architektur weltweit (wenn da bloß die feuchte Hitze nicht wäre).

Potenzial:
Wertung:

HongkongSkyline von Hong Kong Island

Hongkong, der „Duftende Hafen“ ist eine 7 Millionen Einwohner große Metropole an der Südküste Chinas. Sie war lange Zeit britische Kolonie bis sie 1997 an China zurückgegeben wurde. Wirtschaftlichen Bedeutung erfuhr sie aber bereits in der Tang-Dynastie. Die Handelsliberalisierung zu Kolonialzeiten und besonders der Status als Sonderwirtschafts- und -verwaltungszone in den 80er Jahren brachten weitere Aufschwünge.

Heute ist die Stadt – nicht zuletzt wegen der liberalen Marktwirtschaft – eines der wichtigsten Finanz- und Dienstleistungszentren.

Hongkong ist extrem dicht besiedelt und bebaut. Das Bevölkerungswachstum und die hügelige Topologie bedingen einerseits neue Landgewinnung und andererseits den Hochbau. Alte chinesische und koloniale Bauten mussten weichen.

Schon in den 50er Jahren wuchsen Wohntürme in den Himmel. Diese hässlichen oder euphemistisch ausgedrückt: im Stil des Funktionalismus errichten Bauten stehen hauptsächlich in den New Territories im nördlichen Hinterland.

Tatsächlich geht es in Hongkong sehr hoch hinaus. Mit über 1.000 Wolkenkratzern liegt es weit vor New York. Aber es gibt Regeln und Grenzen. Dazu zählt die daoistische Harmonielehre Feng Shui. Ihre Meister hatten beim Bau (oder auch danach) oft das letzte Wort. Auch Architektur-Gigant Norman Foster musste sich damit abfinden.

Die meisten sehenswerten Bauten stehen im Central District, dem Finanzviertel auf Hong Kong Island. Aber auch in Kowloon gibt es wahrhaftig Höhepunkte.

Hong Kong Island

  • HSBC Hauptgebäude: Fosters Werk eröffnete 1985 und war der damals teuerste Wolkenkratzer der Welt. Die Feng Shui-Meister hatten diverse Einwände. Das mit riesigen Stahlstreben versehen Gebäude wirkt auf mich scharfkantig und eher unattraktiv.
  • Bank of China: Die vom Louvre-Designer I. M. Pei entworfene Bankzentrale besteht aus vier unterschiedlich hohen Prismen. Die spitzen Winkel sind mit „gutem“ Feng Shui nicht vereinbar. Der 43. Stock ist frei zugänglich.
  • Cheung Kong Center: Schon wieder Feng Shui! Die schlichte Form des Quaders soll den negativen Einfluss der Bank of China kompensieren. Abends verleiht eine computergesteuerte Beleuchtung dem Gebäude ästhetischen Glanz.
  • International Finance Centre: Gebäudekomplex, dessen höchster Turm Schauplatz in zweiten Teil von Tomb Raider war.
  • Central Plaza: Wolkenkratzer aus Stahlbeton mit Pyramidenspitze und einer öffentlichen Sky Lobby.
  • The Center: Eines der wenigen Gebäude Hongkongs, die ohne Beton errichtet worden sind. Zum Jahresende leuchtet ein Arrangement von Neonleuchten wie ein Weihnachtsbaum.
  • Lippo Center: Die gläsernen Doppeltürme werden auch Koalabaum genannt, weil die Vorsprünge in der Fassade kletternden Koalabären ähneln.
  • Hong Kong Convention and Exhibition Centre: Beim Messe- und Ausstellungsgebäude geht es endlich mal nicht in die Höhe. Das 40.000 Quadratmeter große Aluminiumdach erinnert an den Segelflug eines Vogels.
  • Exchange Square: Komplex aus drei Gebäuden, der u.a. die Börse beheimatet. Schöner Vorplatz mit Skulpturen und Springbrunnen. Dieses Jahr soll ein gläsernes Forum in Form eines Kristalls hinzukommen.
  • Highcliff: Ultraschlanker, azurblauer und mehrfach ausgezeichneter Glasriese mit schönen Wandgemälden in der Lobby. Hat zusammen mit seinem Nachbarn „The Summit“ den Spitznamen „Die Essstäbchen“ bekommen.
  • Opus Hong Kong: Gehrys erstes Projekt in Asien weist die typischen Rundungen und Schrägen auf. Die Wohnungen im Grünen gehören zu den teuersten in ganz Hongkong.

Kowloon

  • International Commerce Center: Der höchste Wolkenkratzer Hongkongs mit 484 Metern beherbergt das Ritz Carlton Hotel und ist damit das höchste Hotel der Welt. Sky100, die Aussichtsplattform sorgt für einen gigantischen Rundumblick.
  • The Arch: Hongkongs wohnlicher Arc de Triomphe besteht aus den vier Gebäudeteilen Sun, Star, Moon und Sky Tower, die untereinander verbunden sind.
  • The Masterpiece: Ganz bescheiden „Meisterstück“ getauft, sind in diesem schmalen Hochhaus ein Hotel und ein Einkaufszentrum untergebracht.

Hongkong ist ein beeindruckendes Pflaster für Architektur-Fans. Auch wenn sich auf Grund beengter Wohnverhältnisse das Leben auf der Straße abspielt, kann man eine Menge sehen ohne unter freiem Himmel zu sein. Denn ein Netz aus Brücken, Tunnel und Rolltreppen spannt sich über die bzw. unter der Stadt.

Die Skyline ist nach Gramsbergen und Kazmierczak in „technischer Hinsicht“ und „gefühlt“ bei CNN die Nummer eins in der Welt. Vom Victoria Peak oder den zahlreichen Aussichtsplattformen wirkt sie zwischen dem Wasser und den Bergen wie ein babylonisches Wunder. Zudem erleuchtet sie jeden Abend – besonders wegen der Symphony of Lights – in buntem Glanz.

Neue Großprojekte wie das West Kowloon Cultural Complex stehen in den Startlöchern.

2006 hatte ich bereits Hongkong bereist. Ich mochte es, auch wenn ich mich damals noch nicht für moderne Architektur interessierte. Aus dem Bauch heraus würde ich heute sagen, dass sich andere Destinationen besser für die Architekturfotografie eignen, da sich einfach die eng gestaffelten Hochhäuser nur schwer einfangen lassen. Aber das ließe sich nur mit einem Besuch vor Ort widerlegen. Die Fundraising-Phase ist eröffnet! 😀

Potenzial:
Wertung:

ShanghaiShanghai World Financial Center

Shanghai ist die zweitgrößte Stadt der Welt, knapp geschlagen von Mexiko-Stadt. Ihr Containerhafen ist der weltweit größte. Schon im 13. Jahrhundert hatte die Stadt am ostchinesischen Meer einen bedeutenden Handelshafen. Während des Mittelalters und des Imperialismus kamen die Niederländer, Briten, Franzosen und Amerikaner. Alle hinterließen ihre Spuren und alle sahen Shanghai als ein Tor zum Westen.

Mit erstarkender Industrie kamen Arbeiter aus dem ganzen Land. Auch aus anderen Nationen strömten Menschen hierher. Es bildeten sich Enklaven und Ghettos. Die Kriminalität wuchs. Anfang des 20. Jahrhunderts war Shanghai das Sündenbabel des Ostens. Kriege, Kulturrevolutionen und Ausbeutung durch den mittlerweile abgeschotteten chinesischen Staat selbst schwächten die Region.

Erst Mitte der 80er Jahre mit Errichtung der Sonderwirtschaftszone Pudong und langsamer Öffnung zum Ausland kam der Aufschwung. Heute blüht in Shanghai die Textil-, Elektronik- und Finanzindustrie.

Wie Singapur und Hongkong hat auch Shanghai mit Platzproblemen zu kämpfen. Bei durchschnittlich neun Quadratmeter Wohnfläche pro Kopf muss man von einer prekäre Wohnsituationen sprechen. Bei den großflächigen Uferpromenaden und Grünflächen im Zentrum ist das kaum zu glauben.

Architektonisch trumpft das Paris des Ostens groß auf. Sehr hoch, sehr teuer, sehr schnell. Symbole, Monumente, Denkmäler. Glitzernd, spektakulär, futuristisch.

Wenig Altes

Es ist noch ein wenig da von der guten (?) alten Zeit bzw. von der guten alten Bausubstanz. Restauration und Renovierung sind Schlagwörter, die mittlerweile auch in chinesischen Köpfen angekommen sind. Das beste Beispiel dafür ist die Perle des Art Déco am Nangjing Road, das Peace Hotel mit herrlicher Innendekoration. Auch das Park Hotel und das altes Gebäude der Bank of China zeugen von vergangener Pracht.

Viel Neues

Prägend für Shanghai ist aber der Blick in die Zukunft. Und genau danach sieht der Großteil der Architektur aus. Besonders in Pudong wird es schnell hoch und protzig.

  • Shanghai World Financial Center: Der „Flaschenöffner“ hat einer Aussichtsplattform mit Glasboden in 474 Höhe. Alles wirkt glatt und perfektionistisch.
  • Jin Mao Tower: Die pagodenartig aufsteigende Stahl- und Glasfassade ähnelt ganz entfernt dem Chrysler Building. Im Grand Hyatt befindet sich ein Atrium mit 28 ringförmige verlaufenden Korridoren und man glaubt im Brustkorb eines riesigen Monsters zu sein.
  • Oriental Pearl Tower: Mit Kugeln versehener Fernsehturm und das Wahrzeichen Shanghais. Auch von hier hat man ein guten Ausblick.
  • Shanghai Tower: Der neue Kracher ist schon jetzt (vor der Fertigstellung) mit 632 Metern das höchste Gebäude Chinas (und das zweithöchste der Welt). Die doppelwandige, verdrehte Außenfassade kann Regenwasser sammeln und für Klimaanlage und Heizung aufbereiten. Die weltgrößte Thermoskanne.
  • Expo-Achse: Mit der Expo 2010 kam ein weiterer Schub frischer Architektur. Die Expo-Achse hat größte Membrandach der Welt und ist eine technische Meisterleistung mit hübschem Design.
  • Oriental Sports Center: Weite Dachbögen, konkave Seitenflügen und die weiße Außenhaut wirken elegant.
  • Oriental Art Center Building: Ja, auch Kunst und Kultur gibt es in Shanghai: Dieser skulpturhafte Bau besteht aus fünf zusammen stehenden, sich verjüngenden Zylindern unterschiedlicher Dick. Von oben ähnelt er einem Schmetterling.
  • Tomorrow Square: In der „Rakete“ ist das Marriott Hotel untergebracht.
  • Shanghai IFC: Gebäudekomplex mit Büros uns sehr hellem, mehrstöckigem Einkaufszentrum.

Noch mehr Verkehr

Ob es jemals einen Plan gegeben hat, den städtischen Verkehr zu reduzieren, weiß ich nicht. Nach allen Beobachtungen kann man eigentlich nur feststellen, dass das Gegenteil der Fall ist. So ist der Verkehr selbst integraler Bestandteil Shanghais, auch architektonisch gesehen.

Es fängt beim Pudong Airport an. Unter dem wellenförmigen Dach in den Hallen ragen gleichförmig Stäbe aus der Decke. Der Transrapid schwebt zum Zentrum. Die Metro ist im Bund Sightseeing Tunnel eine eigenen Sehenswürdigkeit.

Die Brücken reichen vom „Gebilde“ bis zum „Bandwurm“.

  • Quingpu Pedestrian Bridge: Die Fußgängerbrücke hat ein asymmetrisches Stahlgeflecht mit Holzverkleidung.
  • Lupu Bridge: Eine Bogenbrücke über den Huangpu-Fluss ohne Stützen im Wasser, dafür aber mit einer Aussichtsplattform.
  • Donghai Daqiao: Eine 32,5 km lange Seebrücke.

All das wird aber vom Autobahn- und Schnellstraßennetz getoppt, das mitten durch die Stadt verläuft. Wer hat als Kind noch die Darda-Bahn kennen gelernt? Ein größeres Wirrwarr an Kreuzen, mehrfach über-, unter- und nebeneinander verlaufenden Fahrbahnen, Ringen, Spiralen und Loopings kann man sich nicht vorstellen. Der Inner Ring Nanpu Bridge Interchange und der Yan an East Road Overpass sind zwei markante Beispiele. Das sind tolle Motive, die auch nach der Blauen Stunde noch gut funktionieren.

Pläne

Shanghai hat große Pläne. Dazu schaue man sich einfach das hier an. Eine Rückkehr zu chinesischen Traditionen mit sportlichen Freiluftaktivitäten oder Garküchen und offenen Märkten (wie es in anderen Städten üblich ist) wird es sicher nicht geben.

Vom Standpunkt moderner Architektur aus gesehen spielt Shanghai jedenfalls Champions League. Doch angesichts der katastrophalen Umweltverschmutzung und des Smog, der Ende 2013 die Stadt heimsuchte spielt das keine Rolle. Denn was nützen die höchsten und schönsten Bauwerke noch, wenn man nur wenige Meter sehen kann?

Potenzial:
Wertung:

TokioFuji TV Building in Tokio

Japan ist anders. Das sagen die Japaner und alle anderen auch. Ein Inselvolk eben. Wenn in Bayern die Uhren schon anders ticken, dann gehen sie in Japan wohl rückwärts oder wechseln die Richtung oder …

Tokio-Yokohama ist mit mehr als 36 Millionen Einwohnern die größte Metropolregion der Welt, in Tokio selbst wohnen immer noch über neun Millionen Menschen. Es ist das Finanz-, Industrie-, Handels-, Bildungs- und Kulturzentrum Japans. Wobei Kyoto bezüglich letzterem eine sehr starke Konkurrenz ist.

Tokio ist ein wilder Mix. Tradition steht Moderne gegenüber, Wolkenkratzern den Tempeln, das Straßengeflecht den Japanischen Gärten, die Paläste den Einkaufszentren. Es gibt keine Altstadt und kein Zentrum im Sinne einer europäischen Stadt. Den einzelnen Bezirken werden gerne Stempel aufgedrückt: das luxuriöse Ginza, die Shopping- und Ausgehmeile Roppongi, das grelle Shinjuku, das Künstlerviertel Ikebukuro und das artifizielle Odaiba.

Die größte Bedrohung der Stadt sind aber nicht die kulturellen Gegensätze. Nein, mit denen lebt Tokio ganz hervorragend. Es sind Erdbeben. Schon oft wurde die Metropole heimgesucht und die Sorgen vor zukünftigen Beben sind groß.

Das wirkt sich natürlich auf die Architektur aus. Wahrscheinlich gibt es kein Land mit strengeren Bauvorschriften. Dass dennoch eine so erstaunliche Vielfalt an moderner Baukunst in Tokio zu finden ist, liegt am hohen kulturellen Stellenwert der Architektur in Japan und an den fähigen Menschen, die sie schaffen.

Futuristische Areale

Zwei besondere Komplexe greife ich heraus:

  • Roppongi Hills: Dieses Wohn-, Arbeits- und Freizeitareal auf engstem Raum ist eine Stadt in der Stadt. Der Mori Tower ist das Epizentrum in einer Glitzerwelt, in der abends auch die Bäume leuchten.
  • Odaiba: Die aufgeschüttete Insel beherbergt einige der skurrilsten Gebäude Tokios. Darunter Kenzo Tanges Drahtgittermodell mit Aussichtskugel, das Fuji Television Building, das Messegelände Tokyo Big Sight und einige Spielereien im Las Vegas Stil.

Buntes Bauwerk-Potpourri

Mal westlich, mal östlich, man geschwungen, dann wieder harte Kanten. Tokios Gebäudelandschaft ist alles andere als einheitlich.

  • Tokyo Sky Tree: 634 Meter hohes Stahlgeflecht, Fernsehturm und neuestes Wahrzeichen Tokios.
  • Tokyo Tower: Wenn man den Japanern Plagiarismus vorwirft, dann wohl in diesem Fall. Der Eiffelturm als Pylon.
  • Tokyo Metropolitan Government Building: Diese gigantische Kathedrale der Neuzeit ist das Tokioter Rathaus.
  • Mode Gakuen Cocoon Tower: Ein Bildungstempel mit außergewöhnlicher Konstruktion. Die weißen, scheinbar wahllos verlaufenden Fassaden-Zierbänder sind die Seidenfäden des Kokons, die die Studenten und Schüler schützen.
  • Tokyo International Forum: In diesem Glasschiff finden hauptsächlich Ausstellungen statt. Bietet vielfältige grafische Motive und ist abends hübsch beleuchtet.
  • Yoyogi National Gymnasium: Mit der kurvigen, für die Olympischen Sommerspiele 1964 gebauten Sporthalle, hat Kenzo Tange einen hoch gelobten, schwungvollen Bau geschaffen.
  • Prada Store: Flagship-Store von den Schweizern Herzog und de Meuron, dessen gläserne Außenhaut mit diamantförmigen Waben bestückt ist.
  • Asahi Beer Hall: Die wahrscheinlich schönste „Trinkhalle“ der Welt.
  • The National Art Center: Vor dem quaderförmigen Gebäude des Kunstzentrums sitzt eine gewellte Glasfassade.
  • Reiyukai Shakaden Temple: Area 51? Könnte man meinen. Hier ist aber kein Ufo gelandet, sondern ein Tempel der religiösen Bewegung Reiyukai, der „Gesellschaft der Freunde der Geister“.
  • St Mary’s Cathedral: Kenzo Tanges abstraktes, weich geschwungenes Werk ist der Sitz der katholischen Erzdiözese.
  • Nakagin Capsule Tower: Der Turm aus Waschmaschinen, designt vom großen Kisho Kurokawa, besteht aus winzigen Wohn- und Arbeitswürfeln mit Bullauge.

Keine zwei benachbarte Häusern gleichen sich. Es scheint keine Struktur und Planung in Tokio zu geben. Das Auge kann sich an nichts gewöhnen. Zudem fehlen aus meiner Sicht die ganz großen architektonischen Knaller. Und doch ist die „Östliche Hauptstadt“ (mindestens) einen Besuch wert. Nicht zuletzt deshalb, weil auch die Umgebung mit Kawasaki, Saitama und besonders Yokohama noch viel zu bieten haben.

Potenzial:
Wertung:

Weitere Locations

In Fernost warten noch viele weitere Ziele auf ihre Erkundung. Allein China hat mit Peking, Shenzen und Guangzhou eine enorme Menge interessanter Bauwerke zu bieten. Taipeh, Kuala Lumpur und Bangkok sind ebenfalls heiße Kandidaten. Ihr könnt mir gerne Eure Favoriten Asiens nennen. Ich freue mich über Kommentare.


Fotos von Singapur, Shanghai: CC0 1.0 Universell , Quelle: www.pixabay.de

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