Top-Locations der modernen Architektur: Amerika

Wiege der modernen Architektur und Geburtstätte visionärer Bauten, dafür steht der amerikanische Kontinent. Dieser Teil der Artikelserie „Top-Locations der modernen Architektur“ beschreibt einige der faszinierendsten Architektur-Spots und ihre jeweiligen Besonderheiten.

Das 19. Jahrhundert stand in Amerika im Zeichen der Urbaninisierung. Auf der Suche nach Arbeit zog die Landbevölkerung in die Städte. Dem Bedarf an Wohn- und Arbeitsraum versuchte man durch Bauen in die Höhe entgegenzuwirken. Der erste Wolkenkratzer der Welt entstand: das Home Insurance Building 1884 in Chicago.

Architektonische Inspiration aus Europa war zwar zu spüren, aber man entwickelte auch eigene Stile. Frank Lloyd Wrights naturverbundene Werke spielten aber fast nur auf dem Land eine Rolle. In den wachsenden Metropolen dominierte dagegen die Technik orientiere Denkschule. Gefördert wurde das ebenfalls durch die Bodenspekulationen, die zu hohen Grundstückspreisen führten. Dies erforderte wiederum ein noch stärker vertikal ausgerichtetes Bauen, das Bauingenieure vor Probleme stellte.

Die tatkräftigen Amerikaner machten aus dieser Not eine Tugend und aus der Tugend eine Demonstration von Macht und Wohlstand. Bestes Beispiel dafür ist das Rockefeller Center in New York.

Der 11. September 2001 hat den Zugang zu den Gebäuden (nicht nur für Fotografen) stark erschwert. Vormals öffentliche Bereiche sind nun geschlossen oder mit hohen Sicherheitsauflagen bzw. langen Wartezeiten verbunden.

Jede aufgeführte Region bewerte ich mit zwei Einschätzungen. Das „Potenzial“ soll objektiv die Menge und Vielfältigkeit der Motive wiedergeben. Die „Wertung“ ist eine Note, die auch infrastrukturelle und organisatorische Punkte (Erreichbarkeit und Zugänglichkeit der Locations, Sicherheitsbestimmungen, Klima und Wetter etc.) und auch subjektive Präferenzen beinhaltet.

ChicagoChicagos Wolkenkratzer

Nicht New York, sondern Chicago gilt als Geburtsort der modernen Architektur. Ausgelöst durch den Großbrand 1871, der 18.000 Häuser zerstörte, entstand der Plan eine völlig neue Stadt zu verwirklichen. Stadtplanung und Architektur sollten Hand in Hand gehen.

Zahlreiche bekannte Architekten wie Frank Lloyd Wright, Daniel Burnham und Louis Sullivan folgten dem Lockruf. Sie durften ihre Träume realisieren. Statt eines heillosen Durcheinanders individueller Gebäude entstand jedoch eine eigene Stilrichtung, die durch viele bautechnische und strukturelle Merkmale (Stahlrahmenkonstruktionen, Gebäudeaufteilung in Läden, Büros und Haustechnik) geprägt war: Die Chicago School of Architecture war geboren.

Die ersten Wolkenkratzer

Mit dem Home Insurance Building entstand 1884 das weltweit erste Hochhaus in Chicago. Viele weitere folgten. Es wurde begeistert gebaut und dabei experimentiert. So liegt die architektonische Pracht der Großstadt am Lake Michigan auch nicht in den ultramodernen Wolkenkratzern, sondern in den geschmackvollen Bauten, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet wurden. Dazu zählen:

  • Historic Water Tower: Eines der wenigen Gebäude, die den Großbrand von 1869 überstanden hatten. Neugotisch und zuckerbäckerisch.
  • Home Insurance Building: Erstes Hochhaus aus dem Jahre 1884, das als gewagte Stahlkonstruktion galt und nur ein Drittel so viel wog wie die üblichen Steinbauten.
  • The Rookery: Die elegante „Blockschokolade“ mit einem wunderschönen Foyer
  • Wrigley Building: Zweitürmiges Neorenaissance-Gebäude des Kaugummi-Magnaten
  • Tribune Tower: Der aus einem ausgeschriebenen Wettbewerb unter dem Motto „das schönste Gebäude der Welt“ entstandene, neogotische Wolkenkratzer enthält Steine aus der Chinesischen Mauer, dem Taj Mahal, der Hagia Sophia, der Cheops-Pyramide und der Kirche Notre Dame de Paris.
  • Carbide and Carbon Building: Art-Déco-Hochhaus mit eine edlen, schwarzen Granitfassade
  • Chicago Board of Trade: Massiger Art-Déco-Wolkenkratzer, der Schauplatz einiger Hollywood-Blockbuster war, beispielsweise „The Dark Knight“.

60er und 70er

In den 60er und 70er Jahren erregte Chicago erneut weltweit Aufsehen.

  • der Lake Point Tower mit seinen 720 Eigentumswohnungen, 1968 erbaut von Schülern Mies van der Rohes, wirkt so modern als wäre er erst ein paar Jahre alt.
  • das geradlinige, helle Aon Center ragt wie ein Monolith aus dem Boden.
  • das 100-stöckige John Hancock Center hat eine viel besuchte Aussichtsetage.
  • der Willis Tower (ehemals Sears Tower) war 24 Jahre lang mit 442 Metern das höchste Gebäude der Welt. Vom Skydeck, einem gläserne Aufzug, kann man einen Schwindel erregenden Ausblick genießen.

Neue Monumente

Zu den ganz neuen Attraktionen gehören

Die Finanzkrise hat einige spektakuläre Projekte wie den Chicago Spire und den Tall Tower gestoppt.

Zum Kennen lernen der überwältigenden Architektur lohnt eine „Architectural Cruise“ auf dem Chicago River und eine Fahrt mit der Hochbahn um den Stadtkern (der „Loop“).

Online gibt es jede Menge Lesestoff. Zum Beispiel der Führer vom American Institute of Architects und die Chicago Architecture Info.

Die „alten“ Wolkenkratzer Chicagos sind das wahre Gotham City und für jeden Architekturfotografen ein Leckerbissen.

Potenzial:
Wertung:

New YorkNew York von oben

New York, New York! Die größte Stadt der USA. Der Klassiker der modernen Architektur. Ist der Big Apple sowieso nicht ausschließlich modern? Zumindest wird man schnell zu dem Schluss kommen, dass die Stadt in quasi allen Epochen und Stilen seit Ende des 19. Jahrhunderts bedeutende Bauwerke vorweisen kann.

Dennoch gibt es einen Ort, der wie kein zweiter für die Modernität der Stadt, wahrscheinlich sogar des ganzen Kontinents steht: Manhattan. Das Zentrum der Macht und des Wohlstands, das seine Symbolkraft durch die glitzernde Wolkenkratzer-Architektur erhält, ist zwar schon einige Male in tiefe Krisen geschlittert, aber auch immer wieder aus ihnen heraus gekommen.

Die Skyline Manhattans wirkt durch das umgebende Wasser des Hudson River gedrängter, noch monumentaler. Und der Time Square ist ihr Nabel. Oder doch die Wall Street? Der Broadway?

Art Déco und Neo

Zu Beginn des amerikanischen Jahrhunderts entstanden in New York, ähnlich wie in Chicago, einige bemerkenswerte
Bauwerke, die zum Sinnbild für den Aufstieg wurden:

  • das Grand Central Terminal, der schönste Bahnhof der Welt
  • das Flat Iron Building: im Stil der Neorenaissance erbaut, hängt es als Druck in den Vorstandsetagen vieler Weltkonzerne
  • das neogotische Woolworth Building, die amerikanische Ausführung der französischen Kathedrale
  • das Chrysler Building: Eines der bedeutendsten architektonischen Werke überhaupt. Typische Formen (Kotflügel, Motorhauben, Radkappen, Kühlerfiguren) und Farben (silber-metallic) sind aus der Autowelt entnommen.
  • das Empire State Building: Das Wahrzeichen in Hochhaus-Form schlechthin. Ein Art Déco-Gebäude von 1931 mit 381 Metern Höhe. King Kong hatte Geschmack.
  • das gigantische Rockefeller Center, das aus 19 Gebäuden und nein Hektar Fläche besteht

Weniger ist mehr (als zu wenig)

Im Laufe der Jahrzehnte entwickelten sich neue Stile. Einige der wichtigsten Werke dieser Strömungen sind
in New York beheimatet sind. Im Falle des eher nüchternen Internationalen Stils zählen dazu

  • das UNO-Hauptquartier von Oscar Niemeyer und Le Corbusier
  • das Seagram Building von Ludwig Mies van der Rohe, ausgeführt als schlichter Monolith wie aus „2001: Odyssee im Weltraum“, folgt dem Leitspruch „weniger ist mehr“.
  • das Metlife Building ohne jegliche Schnörkel

Das Guggenheim Museum fällt ebenfalls in  die Zeit des International Style. Sein Erbauer, der Architekt und Visionär Frank Lloyd Wright, war seiner Zeit und einige Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, voraus. Die organischen Strukturen, einer seiner Leitprinzipien finden sich hier wieder. Ganz klar ein Highlight New Yorks.

Von Tropenholzwellen und Zickzack-Türmen

New York setzt aber auch in neuster Zeit Maßstäbe, von klein bis gigantisch:

  • Prada New York: Die „Tropenholzwelle“ und „Flag Ship Store“, designt von Rem Koolhaas
  • das Rose Center, das ein wenig aussieht wie die Münchener BMW-Welt im Weltall
  • das Condé Nast Building sieht älter aus als es ist (2000), ist aber öko-technologisch auf dem neusten Stand
  • Hearst Tower: Der gläserne Zickzack-Turm von Sir Norman Foster steht auf einem Sockel im Art Déco-Stil von 1928. Ein irrer Kontrast.
  • Gehrys Vorzeigewerk in New York, der Beekman Tower
  • Bank of America Tower: Die größte Bank der Welt braucht natürlich ein Statussymbol.
  • One World Trade Center: Der neue Gigant New Yorks mit 541 Metern kostete schlappe 4 Milliarden Dollar und ist gerade vollendet worden.

Der Blog „New York Architecture“ und der New York Architecture Guide liefern viele weitere Infos für alle Fans der (nicht nur) modernen Architektur.

Für die Hundertschaften faszinierender Bauwerke New Yorks müsste man vermutlich mehrere ein- oder zweiwöchige Fotosessions unternehmen. Die Motive gehen einfach nicht aus. Das New Art Museum, das Javits Convention Center, der Apple Store etc. Jetzt lass ich mich einfach von einer radioaktiv verseuchten Spinne beißen, werde zu Spiderman und …

Potenzial:
Wertung:

Los AngelesDisney Concert Hall

Die Stadt der Engel erfuhr ab Mitte des 20. Jahrhunderts ein enormes Wachstum. Wegen der hohen Erdbebengefahr durfte bis 1958 nur 14 Stockwerke hoch gebaut werden. Eine Skyline war Los Angeles also im Gegensatz zu New York oder Chicago verwehrt. Statt dessen baute man in die Breite. Die heute zweitgrößte Stadt der USA hat weniger als die Hälfte der Einwohner New Yorks, aber eine größere Fläche.

Wohnen

Oft wird Los Angeles als Moloch bezeichnet. Bandenkriege, hohe Kriminalität, Smog, teilweise unerträgliche Sommerhitze etc. Um dem zu entgehen, haben sich die Reichen und Schönen (Brad Pitt, Michael York und Diane Keaton usw.) ihre luxuriösen Heime abseits des Zentrums von anerkannten Architekten entwerfen und bauen lassen.

Spätestens seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts gilt die kalifornische Metropole als Herz der modernen Wohnarchitektur und -kultur. Zu den Musterexemplaren gehören

  • Chemosphere: Das Ufo im Wald
  • Stahl House: So „durchsichtig“, dass es kaum ins Stadtzentrum gepasst hätte. Drehort zahlreicher Filme.

Museen

Los Angeles hat Museen von Rang und Namen, nicht nur im Bereich Film und Fernsehen. Viele davon sind wahre Schmuckstücke und müssen vom Architekturfotografen nicht mal besucht werden. Die äußere Erscheinung ist bereits Motiv genug.

  • Das Natural History Museum von 1913 im Beaux Arts-Stil (Historismus) errichtet
  • Das Getty Center ist ein moderner, luftiger Museumskomplex in hellem Travertin
  • New Broad Art Museum ist ein Museum für zeitgenössische Kunst, das Ende 2014 eröffnen wird und einen futuristischen Akzent in Sachen Architektur setzen wird
  • Petersen Automotive Museum: Das Automobilmuseum wird eine komplett neue, spektakuläre Fassade mit Kultfaktor erhalten

Downtown

Los Angeles als Stadt des Entertainments und Heimat des Hollywood-Universums benötigt natürlich Schauwerte. Viele davon befinden sich in Downtown, der Innenstadt.

  • Die futuristische Disney Concert Hall vom Wahlkalifornier Frank Gehry, der hier ein stilisiertes Segelschiff mit sandgestrahlten Edelstahlsegeln schuf.
  • Die High School #9: Die markanten Formen des Campus der Hochschule für bildende und darstellende Künste stammen vom avantgardistischen Architekten-Büro Coop Himmelblau.
  • Das glitzernde, fünfzylindrige Westin Bonaventure Hotel ist das größte Hotel der Stadt, dem man seine fast 40 Jahre überhaupt nicht ansieht.

Ein guter Architekturführer, der auch die kleine Schätze auflistet, ist der Architecture Guide Los Angeles. Den richtigen Überblick hat man aber nur vom Griffith Observatory aus.

Wer Urlaub in Kalifornien macht, kommt nicht zwingend nach Los Angeles. So auch nicht der an modernder Architektur interessierte Fotograf.

Potenzial:
Wertung:

TorontoToronto

Ja, man hat „Toronto“ schon mal gehört. In Kanada, okay. Nun, es ist die größte Stadt des Landes mit immerhin 5,6 Millionen Einwohnern und damit die zweitgrößte Nordamerikas.

Toronto ist das Finanz- und Kulturzentrum Kanadas. Die höchsten Wolkenkratzer Kanadas und die größten Firme sind hier beheimatet. Damit ist die Stadt prädestiniert für einen vorderen Platz in Sachen (moderner) Architektur.

Die üblichen Verdächtigen aus der hohen Riege der Stararchitekten haben hier gearbeitet. Angefangen von Ludwig Mies van der Rohe über Ieoh Ming Pei und Norman Foster bis zu Frank Gehry und Daniel Libeskind.

Ähnlich wie Los Angeles hat Toronto und sein Umland eine Vielzahl moderner Wohnhäuser vorzuweisen, wie man hier und hier sehen kann.

Doch ist es wahrscheinlich die Skyline, die den Architekturinteressierten hierher zieht. Sie wird dominiert vom CN Tower, einem 553 Meter hohen Fernsehturm. Das Drehrestaurant bietet einen 360 Grad-Blick und auch die Aussichtsplattform ist für Fotografen ideal. Wem das nicht genügt, kann seine Nerven auf dem Edge Walk auf die Folter spannen.

Hoch hinaus

Es geht hoch hinaus in Torontos Zentrum.

  • Scotia Plaza: Das Beaux Arts-Gebäude steht im Herzen des Finanzdistrikts, hat ein 14-stöckiges Atrium und ist mit rotem und poliertem Granit aus Schweden verkleidet.
  • Brookfield Place: Die beiden „würfeligen“ Türme aus den frühen 90ern sind postmodern. Die Allen Lambert Galleria ist ein Atrium, das auch die „Kristallkathedrale des Kommerz“ genannt wird.
  • Ein Wahrzeichen der Stadt ist die futuristische (obwohl schon 1965) entstandene Toronto City Hall, deren zwei halbrunde Bogenstücke in den Himmel ragen.

Der Internationale Stil hat auch vor Toronto nicht halt gemacht.

  • Das Toronto Dominion Centre von Mies van der Rohe ist ein Bürokomplex, der 21.000 Arbeitsplätze fasst.
  • First Canadian Place ist das höchste bewohnte Gebäude Kanadas, das 2009 eine neue Außenfassade aus weißem Carrara-Marmor erhielt.

Alt und neu

Die Hauptstadt der kanadischen Provinz Ontario hat in paar interessante Alt/Neu-Kontraste zu bieten:

  • One King Street West: Ein Hotel von 2006, das mit einem aus dem Jahr 1914 stammenden Gebäude eine beeindruckende Symbiose eingeht.
  • Royal Ontario Museum: Daniel Libeskind baute für das Projekt „Chrystal“ 2007 im dekonstruktivistischen Stil das bekannte Museum um. Der Glas-Aluminium-Kristall mit Stahlgeflecht schneidet förmlich in das alte Gebäude hinein.
  • Art Gallery of Ontario: Frank Gehry, gebürtig aus Toronto, hat oft mit herben Kritiken an seinen Werken zu leben. Dieser Umbau, der weder exzentrisch noch verspielt ist, hat nach allgemeiner öffentlicher Meinung alte Gebäude zu einem gelungenen Ganzen verschmolzen.
  • Leslie L. Dan Faculty of Pharmacy: Der Kubus auf Stelzen aus Glas, Granit und Stahl ist besonders abends bei farbiger Beleuchtung ein Hingucker.

Außerhalb

Nur knapp 30 Kilometer entfernt, in Mississauga, wartet ein neuer, spektakulärer Bau auf den Besucher. Die Absolute World wird auch Marilyn Monroe Towers genannt. Warum, wird schnell klar. Die scheibenartig, leicht versetzt übereinander gelegten Geschosse wirken durchaus wie weibliche Rundungen. Da waren doch wieder nur Kerle am Werk 😀 .

Toronto hat einiges zu bieten. In der „freundlichen“ Metropole mit sehr niedriger Kriminalitätsrate und hoher Lebensqualität muss man ja nicht nur Architektur fotografieren.

Potenzial:
Wertung:

BrasíliaKathedrale von Brasília

Brasília, die Hauptstadt des größten südamerikanischen Landes, war als totaler Neuanfang geplant. Die Kapitale inmitten des größten Landes Südamerikas fernab der Zivilisation, sollte Fortschritt und Hoffnung symbolisieren und Modernität und Wohlstand bringen. Nichts sollte an die koloniale Vergangenheit Brasiliens erinnern.

Stadtplaner Lúcio Costa und Architekt Oscar Niemeyer entwarfen in wenigen Jahren eine Vision, die ebenso schnell realisiert wurde. Von 1956 bis 1963 arbeiteten 50.000 Bauarbeiter unter hohem Zeitdruck an einer Retortenstadt, in der Funktionalität im Vordergrund stand. Separate Bezirke für die Regierung, die Arbeitswelt, das Wohnen und die Freizeit wurden geschaffen.

Die generalstabsmäßige Planung wurde aber von der Realität überholt. Die für eine halbe Million Menschen ausgelegte Stadt wuchs um das Fünffache. Um das verhältnismäßig wohlhabende Zentrum entstanden Satellitenstädte aus Slums.

Architektonisch ist Brasília einzigartig und unvergleichlich. Sie ist durchgehend monumental. Einfache Formen dominieren. Der weiße Beton strahlt Reinheit aus. Die grünen Rasenflächen und der blaue Himmel stehen dazu in starkem Kontrast und verleihen den Gebäuden damit noch mehr Ausdruckskraft. Zu denen zählen:

  • Congresso Nacional do Brasil: Der Sitz des Parlamentes besteht aus zwei Scheibenhochhäusern mit den beiden „Salatschüsseln“ (Senat und Abgeordnetenhaus).
  • Catedral Metropolitana: Die Kathedrale ist hyperbolisch konstruiert, mit 16 nach innen gebogenen Säulen. Sie wirkt leicht und grazil und leuchtet sowohl von innen (viel Glas) als auch von außen (weißer Beton). Sie benötigt keine reiche Ausstattung, sondern überzeugt durch ihre Formen.
  • Der Arbeitsplatz Palácio do Planalto und der Wohnsitz Palácio da Alvorada des Präsidenten zählten zu ersten Gebäuden der Stadt. Sie sind horizontal angelegt, mit kurvenreichen Stützen vor der Fassade.
  • Juscelino-Kubitschek-Brücke: Eine Bogenbrücke mit drei versetzen Stahlbögen, die jeweils die Fahrbahn überspannen haben etwas von einer Spinne.
  • Santuário Dom Bosco: Die quaderförmige Kirche mit neogotischen Touch ist im Innern wegen der farbigen Glasbausteine magisch beleuchtet.

Brasília ist zweifellos eine architektonisch außergewöhnliche Stadt und reich an Motiven. Sie ist aber weit entfernt von einer pulsierenden Metropole mit reichem Kulturangebot. Die zwei großen Achsen mit den mehrspurigen Straßen machen sie zur Autostadt. Es gibt viel Fläche, die aber nicht genutzt werden kann.

Wer als Fotograf kommt, muss sich organisieren. Es gibt kaum Verpflegungsmöglichkeiten im fotografisch interessanten Regierungsviertel. Die Fußwege sind lang. Die U-Bahn erreicht nur einen Teil der Stadt.

Potenzial:
Wertung:

Weitere Locations

Welche Orte können noch mit moderner Architektur auftrumpfen? Seattle, San Franciso, Vancouver sind heiße Anwärter. Was ist noch in Mittel- und Südamerika zu entdecken? Nennt mir Eure Favoriten.


Fotos von Chicago, New York, Los Angeles, Toronto, Brasília: CC0 1.0 Universell , Quelle: www.pixabay.de

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