Meine fotografische Entwicklung: Tiefer statt breiter

Ein Fotograf sollte reflektieren. Was habe ich bisher erreicht? Was kann ich besser machen und in welche Themengebiete möchte ich vorstoßen? Neben einer Erneuerung meiner Ausrüstung war ich auf gutem Weg, eine Spezialdisziplin zu erkunden. Was genau mir vorschwebte, lest Ihr im letzten Teil der Serie „Meine fotografische Entwicklung“.

FotoausrüstungHardware-Upgrade

Anfang 2013 überdachte ich meine Ausrüstung. Besonders die Bildqualität des alten Kit-Objektivs entsprach nicht mehr meinen Qualitätsansprüchen. Die EOS 350D hatte 7 Jahre auf dem Buckel (und war 8 Jahre auf dem Markt). Freihandaufnahmen bei ISO 1600 in dunklen Kirchen waren matschig und detailarm. Das Display war klein und es gab keine automatische Sensorreinigung. Im Sommer des gleichen Jahres war die Zeit für Erneuerung gekommen.

Ein Systemwechsel kam nicht in Frage. Es sollte ein Kamera in der gleichen Klasse sein. Vollformat war mir noch zu teuer und so entschied ich mich für die EOS 600D. 18 Megapixel, rauscharm, bewegliches Display, automatische Sensorreinigung für knapp über 400 Euro. Schnapp!

Das Kit-Objektiv tauschte ich durch ein frisch auf den Markt gekommenes Sigma 17-70 mm f2,8-4,0 C als „Immerdrauf“ aus. Es hatte gute Kritiken erhalten und war mit knapp über 400 Euro relativ günstig. Ich schaffte mir auch ein neues Telezoom von Tamron an (Tamron AF 70-300mm 4-5.6 Di SP VC USD), das mein Canon-Tele ersetzte. Als nettes Spielzeug war dann noch das Walimex Fish-Eye drin.

Mit all den neuen Objektiven hätte ich nun doch einen Systemwechsel bezahlen können. Aber wohin? Micro-Four-Thirds oder doch eine „günstige“ Vollformat wie die Sony Alpha 7? Nein, der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Ich bin sogar eher ein Gewohnheitsdinosaurier.

Entdeckung der (modernen) Architektur

Schon relativ früh in meinem Fotografen-Dasein hatte ich ein Faible für Architektur. Es war nicht sonderlich ausgeprägt und auch nicht durch breites Wissen fundiert. Nein, es war ein Geschmack, eine Vorliebe, eben das Lieblingsgericht unter den Menüs.

Kölner Kurven

Auf meinen Reisen fotografierte ich gerne Kathedralen und Kirchen. Die moderne Architektur blieb damals noch unentdeckt, denn sonst hätte ich Hong Kong und Tokio mit ganz anderen Augen gesehen. Ich weiß nicht mehr, was mich genau dorthin führte, aber ich begann jedenfalls ein bisschen mehr über meine Lieblingsmotive herauszufinden. Die zwei Bücher „Kompakt & Visuell Architektur: Bauwerke. Geschichte. Stile. Architekten“ und „Geschichte der modernen Architektur“ dienten dazu als Grundlage.

Viel interessanter als die graue Theorie war natürlich das „Location-Spotting“ im Internet und vor allem vor Ort. Mit Köln und Düsseldorf hatte ich zwei riesige Motivquellen in der Nähe. Hier wurde mir klar, wie umfangreich und vielfältig die Architekturfotografie war: Umfassende Gesamtansichten oder kleine Details, nüchterne Darstellung mit exakter Linienführung oder künstlerisch geprägte Ausführung mit dramatisch stürzenden Linien. Das natürliche Licht am Tag und die künstliche Beleuchtung zur Blauen Stunde erschufen völlig unterschiedliche Bildeindrücke.

All diese Aspekte trugen ihren Teil zu meiner Begeisterung für dieses Metier bei. Und dabei war die Architektur pflegeleicht. Sie lief nicht weg, musste nicht teuer beleuchtet werden und bestand kaum auf der Einhaltung von Terminen. Sie war kein zickiges Model und zumindest in einigen Fällen wetterunabhängig. Nur fragen, ob sie fotografiert werden dürfe, war manchmal notwendig.

Geplante Fotosessions

Statt nur im Urlaub die Kamera dabei zu haben, wollte ich lieber kurze, intensive Foto-Session machen. Das Familienleben ließ nicht viel Zeit und so musste ich genauer recherchieren und planen. Auf dem Weg zur Arbeit (nach Köln) und zurück entdeckte ich dabei vielversprechende Motive wie z.B. die Kirche Alt St. Heribert vor dem Lanxess Tower.

Mal nutzte eine halbe Stunde früh morgens, um in der Nähe des Deutzer Bahnhofs zu fotografieren. Oder ich fuhr nach der Arbeit hoch auf die Panoramaterrasse des Triangel mit der besten Aussicht auf Köln. An mehreren Wochenenden im Frühling und Herbst besuchte ich für jeweils gut zwei Stunden den Japanischen Garten in Leverkusen, in meinen Augen einer der fotogensten Orte des Rheinlands.

Längere Fotoreisen waren nur möglich, wenn meine Frau und die Kinder nach Frankreich fuhren. Ich spreche in der Vergangenheit, aber de facto ist das noch nicht passiert. Meine erste mehrtägige Session wird Mitte März in Frankfurt am Main stattfinden.

Um möglichst wenig dem Zufall zu überlassen, plane ich und bereite mich gut vor. Dazu zählen

  • An-/Abreise und Hotelaufenthalt möglichst nah an den Motiven
  • Recherche der Foto-Locations und Motive
  • Stadtpläne, Netzpläne ÖPNV, Öffnungszeiten von Sehenswürdigkeiten (wenn es Motive sind)
  • Backup-Motive für schlechtes Wetter (Kirchen, Museen, U-Bahn-Stationen etc.)
  • Einholen von Genehmigungen

Die Zukunft

In Zukunft werde ich weitere Foto-Sessions durchführen. Neue Locations stehen schon auf meiner Wunschliste. Manche sind kurz- oder mittelfristig realistisch (La Défense in Paris, Bahnhof Liège-Guillemins), andere werden Traumziele bleiben (Dubai, Singapur).

„Brennweite Welt“ als junger Blog hat mich bereits auf weitere Ideen gebracht. Ganz konkret: die Motivsuche zu Hause. Ein spannendes Thema, das das Auge schult und zu Experimenten einlädt. Mehr dazu in diesem Artikel.

Ich möchte meine Vernetzung und die dieses Blogs weiter vorantreiben. Präsenz in den sozialen Netzwerken, Austausch mit Blog-Kollegen und die Suche nach Gleichgesinnten.

Selbstverständlich soll die fotografische Entwicklung fortschreiten. Das Auge schulen, schneller und besser Motive entdecken, mit den eigenen Bildern Geschichten erzählen. Den ein oder anderen persönlichen Testballon werde ich starten: Ich werde mich an abstrakten Bildern und dem Stilmittel Unschärfe versuchen. Dazu wird ganz sicher bald ein Artikel erscheinen 😉 .

Viel professionelle Fotografen suchen sich eine Nische, erarbeiten einen eigenen, vielleicht einzigartigen Stil, um aus der Masse herauszuragen. Vielleicht gehört das zum „Business“, um erfolgreich zu sein.

Als Amateurfotograf genieße ich den Luxus zu fotografieren wann und was ich will. Keine Staus. Keine Termine. Keine Hektik. Kein Stress. Keine Kompromisse. Kein anderes Bier. Ups, falscher Kanal.

Wie sehen Eure Planungen aus? Neue Ausrüstung, neue Techniken, neue Locations? Ich bin auf Reaktionen gespannt.

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2 Antworten

  1. HF sagt:

    Dann viel Spass weiterhin – icg suche die sog. Locations in meiner nahen Umgebung; für neue Technik bin ich immer zu haben, aber da setzt der Geldbeutel Grenzen – aber mal sehen …..

    • Jens Sieckmann sagt:

      Hallo,

      danke für den Kommentar.

      Technik ist toll, aber nur zweitrangig. Die Location-Suche ist ein der Tat sehr interessant. Da wird beizeiten ein eigener Artikel zu erscheinen. Was Natur-Locations angeht, hilft http://www.fotolicht.com/fotoreviere.html. Das DSLR-Forum ist auch ein guter Anhaltspunkt. Selber entdecken ist natürlich spannender, aber auch zeitaufwändiger.

      Viele Grüße,
      Jens

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