Meine fotografische Entwicklung: Ein Workflow etabliert sich

Fotografieren alleine reicht einfach nicht. Das gilt nicht nur für den Profi, sondern auch für den Amateur. Besonders in den Arbeitsabläufen und der Organisation steckt Verbesserungspotenzial. Wie ich dieses bei mir selbst entdeckte, erfahrt Ihr im vierten Teil der Serie „Meine fotografische Entwicklung“.

Während meiner Reisen merkte ich immer wieder, dass mir beim Ablichten einiger Monumente Brennweite im unteren Bereich fehlte. Mit 18 bzw. umgerechnet fast 30 Millimeter waren nicht die Architektur-Fotos möglich, die ich mir vorstellte.

2009 machte ich daher eine für mich persönlich richtungsweisende Investition. Nach etwas Recherche und Tests vor Ort im Fotogeschäft besorgte ich mir das Ultraweitwinkel von Sigma 10-20 mm F4,0-5,6 EX DC HSM. Yes! Völlig neue Perspektiven eröffneten sich mir. Dramatische Kompositionen, unendliche Tiefen und kraftvolle Dynamik waren die Pluspunkte dieses Objektivs bzw. der gesamten Objektivtyps.

Doch wie schon bei meiner 50 mm-Festbrennweite von Canon fand das gute Stück erst später meine volle Wertschätzung. Mein fotografischer Werdegang stand im Zeichen einer anderen Entwicklung.

Eine Frage des Formats

Eine Standardfunktion meiner DSLR hatte ich seit dem Kauf ignoriert: RAW! Es wurde gerade in der Fachpresse breit getreten. Eine Kollegin aus dem Nikon-Universum schwärmte davon. Aber nach allem, was ich hörte, war es aber mehr Arbeit.

Doch der Reihe nach. Nach der Geburt meines Sohnes waren die großen Fernreisen Geschichte. Die Freizeit schmolz schneller dahin als das Eis in der Sonne. Das war doch ein guter Zeitpunkt, um das Hobby Fotogafie neu auszurichten.

Ich beschloss, meine ganze Aufmerksamkeit dem Motiv zu widmen. Einem Motiv. Meinem Sohn. Aber ich wollte nicht tausende Bilder aus verschiedenen Positionen, in anderen Babyklamotten oder mit immer neuen Gesichtsausdrücken machen. Nein, ich wollte wenige, aber dafür gute bis sehr gute Fotos schießen. Fotos, deren Potenzial am Computer voll ausgeschöpft werden konnte. Das war nur in RAW möglich.

RAW, das Rohformat, steht so gut wie jedem Besitzer einer digitalen Spiegelreflex-, Systemkamera und mittlerweile auch einigen Bridge- und Kompaktkameras zur Verfügung. Wikipedia schreibt:

„Als Rohdatenformat (Raw-Daten, englisch raw „roh“) bezeichnet man eine Familie von Dateiformaten bei Digitalkameras und digitalen Kinokameras, bei denen die Kamera die Daten nach der Digitalisierung weitgehend ohne Bearbeitung auf das Speichermedium schreibt. Die „Rohdaten“ werden gelegentlich als „digitales Negativ“ bezeichnet, da sie die originären Daten des Fotos sind.“

Eine gute Abhandlung mit Vergleich zum Hauptkonkurrenten JPEG finden sich im DSLR-Forum und im Pixxel-Blog.

Die wichtigsten Argumente pro RAW waren für mich die fast vollständige Kontrolle über die Weiterverarbeitung des Fotos und die Speicherung größerer Mengen an Tonwertabstufungen, mit denen man „mehr aus dem Bild herausholen“ konnte. Kontrast- und Farbänderungen oder das Nachschärfen führten nicht zwangsläufig zu (wenn auch kaum sichtbaren) Qualitätsverlusten wie im JPEG-Format.

Der Umstieg auf RAW war einer der folgenreichsten Entscheidungen in meinem Leben als Amateurfotograf. Auch wenn die negativen Seiten wie der erhöhte Speicherplatzbedarf und vor allem die fehlende Standardkonformität des Formats nicht wegzureden sind, kann ich nur mit aller Deutlichkeit sagen: wer RAW ignoriert, verschwendet Potenzial.

Lightroom LogoLightroom: Licht in der Dunkelkammer

Mit der Nutzung von RAW war aber eine weitere Software notwendig geworden: Der so genannte RAW-Konverter, der die Kamerarohdaten auslesen, Bildoperationen anwenden und diese in eine JPEG-Datei (oder ein anderes Format) überführen kann.

Mit meiner Canon wurde ein Softwarepaket mitgeliefert, das Canon Digital Photo Professional enthielt. Mit diesem Tool kam ich aber nicht zurecht und ich suchte nach Alternativen.

Ein Freund nutzte Adobe Lightroom in der Version 3. Mitte 2011 schließlich installierte ich die Testversion und probierte zunächst die gängigen Bildbearbeitungsschritte aus. Die schicke Optik und die einfache Handhabung überzeugten mich. Meine Bilder aus der Toskana waren die ersten Versuchsobjekte. Mit den Standardeinstellungen erzielte ich bereits gute Ergebnisse. Der Kauf war daher aus hauptsächlich folgenden Gründen beschlossen:

  • nur noch ein Programm für den gesamten Workflow vom Import, über Verwaltung, Bearbeitung und Export bzw. Veröffentlichung
  • Anwenden verschiedenster Operationen (Verschlagwortung, Weißabgleich, Belichtung etc.) auf mehrere Bilder gleichzeitig
  • relativ günstiger Preis

Lightroom hatte somit nicht nur meine Bilder konvertiert, sondern auch mich. Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich bin kein Lightroom-Fundamentalist und garantiert kein Anhänger von Adobe. Deren Informationspolitik, Datensicherheitsprobleme und Lizenz-Strategie mit der Creative Cloud sehe ich kritisch. Doch gibt es für mich derzeit keine zufrieden stellende Alternative mit gleichem Funktionsumfang und ähnlich bequemer Bedienung.

Eigener oder aufgezwungener Workflow

Natürlich habe ich mich mit Lightroom in eine Abhängigkeit begeben. Aber das hätte ich mit anderen Programmen in diesem Bereich getan. Eine berechtigte Frage ist, ob es mir den Workflow aufgezwungen hat? Die Antwort ist eindeutig „jein“.

Ja, einzelne Arbeitsschritte wie Import, Verwaltung (Bibliothek), Bearbeitung (Entwicklung) und Veröffentlichung/Export (Buch, Diashow, Drucken, Web) sind fest definiert. Aber das entspricht doch auch dem natürlichen Workflow des Fotografen. Wie viel „Foto-Arbeit“ in Lightroom erledigt wird, muss jeder selbst wissen. Zwischen 0 und 100 Prozent ist alles vorstellbar. Alles unter 100 Prozent unterbricht die Kette. Eine Synchronisation der extern weiter verarbeiteten Dateien mit Lightroom ist in der Regel möglich.

Ich persönlich stehe nahe an der 100 Prozent-Grenze. Ich benenne vor dem Import in vielen Fällen die Bilddateien sprechend um und nutze auch gelegentlich Photomatix als HDR-Tool und PTGui als Panorama-Software.

Wer mehr über meinen Workflow wissen möchte, kann das in meinem Artikel „Ein Foto-Workflow mit Lightroom“ nachlesen.

Im nächsten Post dieser Serie geht es darum, wie meine Bilder von der Festplatte den Weg nach draußen nahmen. Viele Likes auf Facebook oder Veriss auf fotocommunity.de? Ihr erfahrt es im Artikel „In die weite Welt„.


Titelfoto: CC0 1.0 Universell , Quelle: www.pixabay.de

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