Meine fotografische Entwicklung: Kontakt zur Digitalwelt

„First Contact“ war ein ordentlicher Film aus der Star Trek-Serie. Mein erster Kontakt mit der digitalen Fotografie war dagegen ein Schock. Warum? Das erzähle ich im zweiten Teil der Artikelserie „Meine fotografische Entwicklung“.

AyutthayaDer Neid auf die Frau

Meine Frau und ich konzentrierten uns weiter auf unser Lieblingshobby: dem Reisen. Allerdings durchaus mal auf getrennten Wegen. Während ich 2004 auf meiner Tour de l’Est Tschechien, Polen, die Slowakei und Ungarn durchradelte, flog sie mit Freundinnen nach Thailand. Dafür hatte sie sich eine Digitalkamera angeschafft, eine Canon PowerShot A85 mit 4 Megapixeln.

Nach ihrer Rückkehr zeige sie mir ihre Bilder. Es war ein Schock! Mir fiel die Kinnlade herunter. Unter den vielen eher im dokumentarisch Stil gehaltenen Fotos waren einige für meine Begriffe hervorragende Urlaubsfotos darunter, die deutlich über dem durchschnittlichen Touri-Knipser-Niveau lagen. Eines davon sprang mit besonders ins Auge: die Tempelanlage von Ayutthaya. Diese Farben, diese Schärfe, einfach fantastisch.

„Wie hast du das gemacht“, fragte ich? „Nichts besonderes, ich hab nur auf den Auslöser gedrückt“. So so, also nur auf den Auslöser gedrückt. Neid und Eifersucht stiegen in mir hoch. Da bemühte ich mich mit meiner schweren Spiegelreflex um ausgewogene Gestaltung, korrekten Fokus und Bildaussage und sie „drückte nur auf den Auslöser“.

Doch der Zorn verflog schnell. Ich wollte das Ganze zunächst vergessen und überzeugte mich erst auf unseren nächsten Reisen selbst. Dort probierte ich die Canon aus, prüfte die Bilder direkt im Display und war ziemlich angetan. Ich konnte auch direkte Vergleiche mit der Minolta ziehen. Es war erschreckend. Die PowerShot-Abzüge waren viel schärfer, kontrastreicher und farbintensiver. Da war er wieder, der Neid, der Zorn.

Es war um mich geschehen. Die Digitalkamera-Industrie, die in ihre Kameras Software zur Bildaufbereitung einbaute, um „besser zu gefallen“, hatte gewonnen. Ich bin kein „Early Adopter“, sondern brauche sehr lange bis ich mir selbst schon lange etablierte Technologien zu eigen machen. Aber jetzt war die Zeit gekommen. Werde digital.

Die erste DSLRDie eigene DSLR

Der Systemwechsel von analog zu digital war beschlossen, keineswegs aber der von Spiegelreflex zu kompakt. Nein, ich wollte gestalten, nicht knipsen. Der kleine Sensor der digitalen Kompaktkameras unterband das (Warum, kann man hier nachlesen). Ich wollte mir von einer wie auch immer gestrickten Automatik nicht vorschreiben lassen, wie meine Bilder auszusehen hatten. Ich sollte fotografieren, nicht die Kamera. Das war weiterhin mein Anspruch.

Mein damaliger Volleyballtrainer berichtete positiv von der Canon EOS 350D. Im Februar 2006 nahm ich bei Foto Gregor, einem Fotofachgeschäft in Köln, die Canon und parallel eine Nikon D70 in die Hand. Die EOS 350D gefiel mir besser. Angenehmere Handhabung und mehr Megapixel. Es gab auch viele Gemeinsamkeiten. Aber eine Entscheidung war nun mal zu treffen, und zwar eine folgenreiche. Denn in der Regel heißt es: einmal eine Marke, immer diese Marke. Ein Wechsel wäre teuer.

Ich lieh mir die 350D für einen Tag aus, um mir ein genaues Bild zu machen. Ich war schnell mit der Kamera vertraut, die Ergebnisse waren zufrieden stellend und es stand fest: es sollte die Canon werden. Ich schielte zudem auf ein Objektiv, das 70-300 mm mit Bildstabilisator, das ich in der Preislage bei Nikon nicht fand. Und so wechselte der Fotoapparat ein paar Tage später für saftige 700 Euro den Besitzer. Und gleich darauf kam das genannte Canon-Telezoom hinzu. Mein Schatz!

Das damalige Kit-Objektiv 18-55 mm, aus heutiger Sicht eine (wenn auch sehr günstige) Scherbe, war mein „Immerdrauf“. Ich fotografierte Zu Hause und unterwegs. Auf einem Karnevalszug konnte ich einige Schnappschüsse machen, besonders mit dem 70-300er. Feinste Details in den geschminkten Gesichtern und die kräftigen Farben, die im Schnee leuchteten, rissen mich mit. Ich liebte meine Kamera. 8 Megapixel: geil. ISO 1600: geil. Alles: geil!

Die Technologie war nun eine ganz andere. Doch eins behielt ich bei. Die Minolta hatte mich geeicht. Ich fotografierte fast ausschließlich mit Zeitautomatik. Das ist bis heute so.

Mehr Ausrüstung

Mit dem Kit-Objektiv und dem Telezoom hatte ich mit 18-300 bzw. 29-480 Millimetern einen sehr ordentlichen Brennweitenbereich abgedeckt. Am Canon-Tele mochte ich besonders die Bildstabilisierung, das sanfte Klicken, wenn sie ansprang, das durchgehende, leicht rasselnde Geräusch, das zum wackelfreien Sucherbild führte: einfach toll.

Die Ausrüstung fand in einer neuen Fototasche Platz, die auch „Raum für Erweiterung“ bot. Reisefotografie war weiterhin mein Schwerpunkt. Schwerpunkt, genau. Mit über 1,5 Kilogramm hatte ich nun sicher kein Leichtgewicht mehr, mit dem ich aus der Hüfte schießen konnte. Aber das war auch nicht mein Ziel. Als ambitionierter Einsteiger in die digitale Fotografie hatte ich nun das richtige Rüstzeug.

Dabei blieb es natürlich nicht. In vielen Fotofachzeitschriften entdecke ich beeindruckende Langzeitbelichtungen und Nachtaufnahmen. Das wollte ich auch. Ein Stativ musste her. Leicht, geringes Packmaß, schneller Aufbau waren die wichtigsten Anforderungen, die ich stellte. Daraus wurde schließlich ein Velbon Ultra-Maxi F, das mit bis heute gute Dienste leistet. Ein Polfilter kam ebenfalls hinzu. Tiefblaue Himmel sind einfach ein Muss.

Der nächste Teil dieser Artikelserie beschreibt wie die Fotografie zum Hobby wurde.

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2 Antworten

  1. k.kahl sagt:

    Schön so eine ehrlich gestaltete Seite . Mich fasziniert die Fotografiererei ebenfalls. Arbeite mit Photoshop Elemnts und Zonerstudio 14,das ist für mich im Moment das richtige.
    Fotos in irgendeiner der großen Webseiten zu veröffentlichen ist eigentlich Unsinn,da hauen dich die Profis sowieso ans Ende der Rangliste. eine eigene Webseite gestalten ist der richtige Weg.

    • Jens Sieckmann sagt:

      Mit „großen Webseiten“ meinst du Flickr etc? Ja, man geht ein wenig unter. Aber jeder fängt klein an. Qualität setzt sich dann doch meistens durch. Wenn man die Zeit und Fähigkeit hat, eine eigene Webseite aufzubauen hat, ist das natürlich richtig. Man hat alle Freiheiten, aber eben auch die ganze Arbeit.

      Viele Grüße,
      Jens

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