Meine fotografische Entwicklung: Die Analog-Ära

Die Digitalfotografie hat das Leben der Fotografen mehr oder weniger stark verändert. Aber nur wer Erfahrungen im analogen Zeitalter gemacht hat, weiß beide Welten zu vergleichen.

Dieser Artikel ist der erste Teil der Serie „Meine fotografische Entwicklung“ und beschreibt meine Anfänge in der Fotografie seit Anfang der 90er Jahre bis ca. 2004.

Am Anfang war das Licht …Am Anfang war das Licht

… und es war analog. Und nach wie vor ist es das wichtigste Instrument, Werkzeug und Stilmittel, ja die Voraussetzung für Fotografie. Ohne es geht nichts und wird es niemals gehen. Das Licht ist die vielleicht wichtigste Konstante. Habe ich Konstante gesagt? Es ist wohl eher eine Variable. Aber eine, die sich nicht über die Jahre verändert, sondern von Stunde zu Stunde und von Ort zu Ort.

In meiner Kindheit machte ich die Erfahrung, dass ich gut abmalen konnte. Im Kunstunterricht war das Kopieren einer Vorlage meine Stärke. Aus einem Katzenfoto machte ich mit dem Bleistift eine ansehnliche Grafik. Aus dem Kopf heraus allein mit meiner Vorstellungskraft zu zeichnen, fiel mir dagegen schwer. Es fehlten die perspektivische Genauigkeit und besonders der Sinn für natürliche Formen. Ich wusste nicht, wie ich einen angewinkelten Arm zeichnen oder einen Maus von schräg oben malen sollte. Technische Motive mit geometrischen Formen gingen viel einfacher von der Hand.

Da kam mir die Fotografie entgegen, auch wenn ich das damals noch nicht wusste. Das Abbilden der Realität (was Fotografie zumindest derzeit noch ist) und die Projektion von drei auf zwei Dimensionen, das passte ganz gut. Auf der Strecke zwischen Handwerk und Kunst lag und liegt die Fotografie bei mir persönlich mehr in Richtung Handwerk.

Das Interesse an Fotografie liegt vermutlich in meinen Genen, denn auch mein Vater fotografierte und fotografiert noch in seiner Freizeit. Einmal erzählte er mir von meinem Großvater, der ein sehr guter Fotograf gewesen sei. Er war des öfteren auf seine guten Bilder mit der Bitte um Abzüge angesprochen worden bis eines Tages eines seiner Fotos als Postkarte verkauft wurde – ohne dass er davon profitiert hätte, ohne seine Zustimmung, ohne gar überhaupt gefragt worden zu sein.

Die erste Kamera

Es muss Anfang der 90er Jahre gewesen sein. Ich bekam von meinem Vater die erste Kamera „aufs Auge gedrückt“. Er versuchte seine eigenen Interessen auch in mir zu wecken, so wie es die meisten Väter machen. Nicht umsonst heißt es „Wie der Vater, so der Sohn“. Ich dachte „Was soll ich damit? Na gut, mal sehen“. Heute bin ich ihm sehr dankbar für dieses Geschenk. Es war ein äußerst wertvolles.

Das gute Stück war eine Yashica T3 Super mit einer Zeiss 35 mm-Festbrennweite. „Das ist von Zeiss“, sagte mein Vater. „Aha, und?“, dachte ich. Mir waren technische Details egal. Ich ließ mir die notwendigsten Dinge erklären. Was ist ein Film und seine Empfindlichkeit? Wie lege ich ihn ein und wie nehme ich ihn raus? Um den ganzen Rest musste oder konnte ich mich nicht kümmern: fokussieren, zoomen, blitzen, alles automatisch. Für den Anfang war das einfach klasse.

Mount Ngauruhoe auf der Nordinsel NeuseelandsIch begann die Kamera zu mögen. Sie lag gut in der Hand und war schick schwarz. Der Weitwinkel fing einiges ein. Dagegen standen der wabbelige Auslöser und das ohrenbetäubende Geräusch beim Filmtransport. Aber schlussendlich war Ergebnis war wichtig: mir gefielen die Bilder, die dabei herauskamen. Knackig scharf und mit kräftigen Farben.

So ging die Yashica mit mir auf Reisen. Mit der Schulklasse nach Rom, mit Freunden nach Schottland und zu Studienzeiten bis nach Island und sogar Neuseeland. Das war der bisherige Höhepunkt und auch noch heute betrachtet sind dabei wirklich gute Bilder entstanden. Dass die Schönheit Neuseelands einen großen Anteil daran hatte, lasse ich mal geflissentlich unter den Tisch fallen. Den letzte Einsatz hatte die Kleinbild-Kamera 2004 auf meiner Radtour durch Osteuropa, wo sie mit ihrem Nachfolger konkurrierte.

Meine erste SpiegelreflexSpiegelreflex vom Papa

Mein Vater war natürlich an meinen Reisen und den dort entstandenen Fotos interessiert. Er erkannte, dass mir das Knipsen (so muss ich es im Rückblick immer noch formulieren) Freude bereitete und ich für neue Dinge Interesse zeigte. Aber ein Hobby wollte ich es noch nicht nennen. Schließlich reiste ich gerne, hörte Filmmusik und spielte Volleyball. Die mussten als Freizeitaktivitäten doch genügen.

Aber es kam anders. „Junge, ich schenk‘ dir meine Kamera, hier.“ Bäm! Das Ding drückte sich in meine Handflächen, so schwer war es. Eine analoge Spiegelreflex, die Minolta X-200 mit 70-200 Zoom-Objektiv. Dazu eine 50 mm-Festbrennweite f/1,8. Das war im Jahr 2003.

Die Minolta war größer, schwerer und schwieriger zu bedienen. Manueller Filmtransport, manueller Fokus und nur Zeitautomatik. Ich wollte Spaß haben und nicht arbeiten! Totaler Quatsch. In Wahrheit hatte ich die Kamera sofort ins Herz geschlossen. Dieser riesengroße Sucher mit Schnittbildindikator, das Freistellen mit der Festbrennweite bei großer Blende. Jetzt war es daraus doch ein Hobby geworden.

Cuernos im patagonischen NationalparkIch lernte fotografisch zu gestalten und nahm für ein gutes Foto auch mal einen Standpunkt ein, der nicht immer auf dem Weg lag. Mit der Festbrennweite musste man halt mal ein paar Meter gehen, aber genau das schärfte den Sinn für Bildkomposition. In dieser Zeit machte ich einige meiner wichtigsten fotografischen Erfahrungen. Es war schönstes Foto-Feeling.

Einige Nachteile lagen aber auf der Hand: kein Weitwinkel und der Schiebe-Tubus des Zoom-Objektivs rutschte. Subjektiv lieferte die Yashica bessere Bilder, aber dennoch mochte ich die Minolta lieber. So fotografierte ich eine Zeitlang mit beiden Kameras, zum Beispiel in Andalusien und auf meiner Radtour durch Osteuropa. Erst Ende 2004 war sie „solo“ und erlebte schon ein Jahr später ihre letzte Tour im Süden Chiles.

Heute schlummert sie im Sideboard neben meiner ebenfalls ausgemusterten Canon EOS 350D. Und wenn ich so darüber nachdenke hat sie mir verdient als das. Sie sollte in die Vitrine im Wohnzimmer umziehen und darin einen würdigen Platz bekommen.

Im zweiten Teil dieser Artikelserie erfahrt ihr über meinen ersten Kontakt mit der digitalen Welt.


Titelfoto: CC0 1.0 Universell , Quelle: www.pixabay.de

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