Foto-Locations: Recherche und Vorbereitung

In der letzten Folge der Artikelserie „Wie finde ich die richtigen Foto-Locations?“ habe ich einige Werkzeuge zur Off- und Online-Suche von Foto-Spots beschrieben. Jetzt geht es an die Planung und Vorbereitung.

Bildeindrücke definieren

Bevor es an die Recherche der einzelnen Motive geht, ist noch eine Vorüberlegung sinnvoll.

Welche Bildeindrücke möchte ich einfangen? Eher dynamisch und spektakulär oder einfach und abstrakt? Aufnahmestandort und Perspektive sind davon abhängig und sollten somit in die Planung einfließen.

Unabhängig von Einzel-Locations sind zudem Motivarten oder Stimmungen: Fassaden in der Architektur- und Spiegelungen in der Landschaftsfotografie gehören dazu. Oder sollen besondere Kontraste abgebildet werden? Kalt/warm, hell/dunkel, groß/klein? Notiert Euch diese Überlegungen und greift während Eurer Foto-Session darauf zurück.

Gesamtplanung

google-view

Google Maps mit Google View

Zu jeder Reise bzw. Session gehört eine Planung. Der eine hält sie so klein wie möglich, der andere ist akribisch bis ins letzte Detail. Ich selbst plane lieber zu viel als zu wenig. Die Zeit, die man vorher zur Recherche nutzt, muss man nicht mehr vor Ort mit Suchen verplempern.

Zeit ist ein wichtiger Punkt. Nehmt Euch nicht zu viel vor, sodass ihr von Location zu Location hetzt. Das führt im Allgemeinen nicht zu guten Fotos.

An- und Abreise sowie Unterkunft sollten vorgebucht werden. Informationen über Infrastruktur wie öffentliche Verkehrsmittel sind insbesondere in großen Städten nützlich. Wenn nach der Blauen Stunde kein Bus mehr fährt und man zum Hotel marschieren muss, ist das ärgerlich.

Ein gutes Werkzeug zur Ortsplanung ist Google Maps. Mit einem Google-Account lassen sich eigene Karten erstellen und mit „Pins“ versehen. Das sind Eure Locations, die mit weiteren Daten wie Links und Beschreibungen angereichert werden können. Über die App „My Maps“ (vormals „Google Maps Engine“) können diese Karten mit dem Smartphone genutzt werden.

Einzelrecherche

Nicht jede Foto-Location verlangt eine Detailplanung. Zwischen dem kleinen Dorfbrunnen und der brandneuen Mega-Mall liegen Welten. Faustregel: je größer die Location, desto lohnender die Recherche.

Geo-Spotting

Seit einiger Zeit bietet Google Maps auch Fototouren an. Das ist immer einen Blick wert und oft Inspirationsquelle. Sonnenstände können ebenfalls in der Karte abgeschätzt werden. Das ist für den Bildeindruck wichtig.

Mit Street View, das mittlerweile in vielen Regionen der Welt verfügbar ist, lassen ganze Touren planen und durchaus detaillierte Eindrücke sammeln. Auch der Dienst Google View ist in Google Maps und integriert dort von Nutzern aufgenomme Panoramabilder, quasi ein Street View zu Fuß. Google Earth hilft auch in abgelegenen Gegenden weiter.

Bing Maps bietet eine Vogelperspektive, die in der hohen Zoomstufe einige verstecke Details zu Tage fördert. Schaut also auch hier einmal rein.

Rechtliches

Immer wieder entdecke ich im Internet Bilder, die nicht gezeigt werden dürften, weil sie ohne Genehmigung aufgenommen wurden. Ich kann keine detaillierte Rechtsauskunft bieten, aber einige Hinweise geben.

Recherchiert, ob eine Erlaubnis notwendig ist, um das gewünschte Motiv zu fotografieren. Landschaften sind bis auf wenige Ausnahmen kein Problem, Gebäude und Kunstwerke dagegen schon. Sie sind in der Regel urheberrechtlich geschützt. Eigentümer und Urheber vergeben aber in vielen Fällen Genehmigungen. Hier wird häufig unterschieden, ob privat oder gewerblich fotografiert wird und die Bilder zur Veröffentlichung bestimmt sind. Damit ist meist auch die Frage der Kosten verknüpft.

U-Bahn München

Ein aus einer Münchener U-Bahn-Station. Die Genehmigung galt für private Nutzung an einem definierten Termin.

Das Urheberrecht mitsamt seinen Einschränkungen wie der Panoramafreiheit unterscheidet sich von Land zu Land. Die Handhabung von Fotogenehmigungen ist individuell geregelt. Ein paar Beispiele:

  • Im Kölner Dom sind Aufnahmen mit Stativ nur für einen vorher festgelegten Termin erlaubt. Veröffentlichungen sind untersagt.
  • Einkaufszentrum MyZeil, Frankfurt: Kostenfrei für einen gewünschten Termin, Ausrüstung angeben
  • U-Bahn München: Wird für einen Tag ausgestellt, kostenlos (wenn nicht gewerblich)
  • Dom von Siena: Fotografieren erlaubt. Veröffentlichung gegen Gebühr, die von der Auflagenzahl des Medium abhängt.

Eine interessante Anekdote zu Fotogenehmigungen und ihren Auswüchsen liefert „Wem gehört der Eiffelturm

Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht – nachdem ich den Eigentümer / Urheber / Verantwortlichen ausfindig gemacht hatte – eine kurze Mail mit meinem fotografischen Anliegen zu verfassen und darin um eine Erlaubnis zu bitten. Das Angebot, einige Fotos kostenfrei für Publikationen zur Verfügung zu stellen, kommt meist auch gut an.

Wer sich nicht die Mühe macht vorab Genehmigungen einzuholen kann das vor Ort nachholen. In Kirchen z.B. gibt es meist ein Gemeindebüro, in Einkaufszentren ein Center Management. In Museen und Hotels hilft die Rezeption weiter.

Fazit

Eine genaue Planung der Foto-Reise kann Zeit und sparen und Nerven schonen. Lieber einen Teil des Plans am Zielort wieder über Bord werfen als ziellos herumzulaufen und die besten Spots zu verpassen.

Gerade wenn die rechtliche Situation ungeklärt ist und man dann vor Ort vor „verschlossenen Türen“ steht, ist die Enttäuschung groß.

Zwei Tipps zum Schluss: nicht allein auf die Technik verlassen und: vor Ort Notizen von den Motiven machen. Einfach die Karte und die Liste mit den Locations ausdrucken. Am besten mit Fotos. Bei meinem Architektur-Trip nach Frankfurt hätte ich zu den einzelnen Gebäuden Fotos hinterlegen sollen. Die nachträglich Zuordnung wäre mir so viel leichter gefallen.

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