Foto-Locations: Die Suche nach den Richtigen

Foto-Locations gibt es wie Sand am Meer. Gemeint sind hier allerdings keine Miet-Studios für Shootings o.ä., sondern Orte, Regionen, Gebäude usw., die das Interesse des Fotografen wecken. Die können sehr unterschiedlich sein:

  • Der spektakuläre Neubau des Stararchitekten A in B
  • Der Traumstrand am Urlaubsziel X
  • Der Aussichtspunkt von Y
  • Die alte Eiche in Z

Wer so konkrete Vorstellungen hat, muss gar nicht weiterlesen. Er hat ja bereits eine Location gefunden und kann direkt in die Vorbereitung gehen.

Für alle anderen stellt sich die Frage: Wie finde ich das richtige Futter für meine Kamera?

Was suche ich?

Motiv: konkret oder allgemein

Suche ich ein konkretes Motiv, aber ohne eine regionale Einschränkung, beispielsweise Mohnblumenwiesen oder Wasserschlösser, ist die Sache recht einfach: Eine Internet-Recherche bzw. Bildersuche nach dem Stichwort liefert Treffer und die Ortsangabe ist meist nicht weit.

Bei einer eher allgemeinen Idee („Ich bin im Urlaub in Süd-Thailand“) muss man mehr Arbeit investieren und darin seine Motivvielfalt einschränken.

Stilrichtung definieren

Der Stil hat großen Einfluss auf das Motivspektrum. Die Street-Fotografie lebt viel von Spontaneität, was aber nicht bedeutet, dass Suche und Vorbereitung nur vor Ort stattfinden können. Interessante Straßenzüge, Plätze oder Bars können recherchiert werden.

Bei der Landschafts- und Architekturfotografie sind die Motive normalerweise klar definierbar (und unbeweglich). Es kann und sollte weiter verfeinert werden: Postmoderne Architektur, Kirchengebäude von innen, Gebirgsbäche, Alpenglühen etc. Die konkrete Location mit dem konkreten Motiv rückt somit näher.

Einschränkungen beachten

Ist die Masse an potenziellen Locations noch zu groß, kann weiter eingeschränkt werden. Ist die Erreichbarkeit gewährleistet, bin ich mit Familie/Kindern unterwegs oder Langschläfer? All das kann ausschließend wirken.

Wie suche ich?

Führt die Definition der Motive und Stilrichtungen noch zu gar keinem Ergebnis, gibt es genügend Recherche-Mittel. Viele davon lassen sich von zu Hause aus online oder offline einsetzen. Einige auch vor Ort.

Bibliotheken, Buchhandlungen, Touristeninformationen

In Bildbänden, die meist auf Regionen oder Motivarten spezialisiert sind, findet der Fotograf zahlreiche interessante Foto-Spots (und weitere Inspiration), häufig mit ausführlicher Beschreibung.

Reiseführer helfen ebenfalls, auch wenn sie oft nur die bekannten Sehenswürdigkeiten auflisten.

Vor Ort im Zielgebiet bieten Touristeninformationen Broschüren, die lokale und spezielle Informationen bieten. Beispielsweise traditionelle Feste und Umzüge in bestimmten Stadtvierteln, eine Liste mit Leuchttürmen oder neu eröffnete Museen.

Wenn man mit dem Auto unterwegs, lohnt immer ein Blick auf Landkarten. Viele Kartenhersteller kennzeichnen Sehenswürdigkeiten und vor allem landschaftlich schöne Strecken.

Verwandte/Freunde und Fotografen/Foto-Blogger fragen

Fragen kostet nichts. Wer Fotografen in seinem persönlichen Umfeld hat, sollte sich nach Tipps zur anvisierten Gegend umhören.

Auch Foto- und Reiseblogger helfen manchmal aus, wenn man per Mail oder Kontaktformular höflich um ein paar Anregungen bittet.

Suchmaschinen

Suchmaschinen sind in der Regel die erste Anlaufstelle für Fotografen auf der Suche nach Locations. Und das ist auch richtig so. Nirgendwo sonst erhält man so schnell Auskunft wie hier. Je enger der Suchbegriff bzw. -begriffe, desto exakter die Resultate.

Neben der geografischen Einschränkung sollte man auch das Motivspektrum („moderne Architektur“, „Wasserfälle“) eingeben. Begriffe wie „Fototipp“ oder „Fotolocation“ in Zusammenhang mit der Region helfen ebenfalls.

Idealerweise fragt man in der Landessprache des ausgewählten Gebiets. „Paris point de vue paris“ ist also besser als  „Paris Aussichtspunkt“.

Soziale Medien

Facebook, Google+ und Pinterest sind in aller Munde und können für Fotografen eine Goldgrube sein. Es werden nicht nur Fotos geteilt, sondern auch in (spezialisierten) Gruppen diskutiert. Hier lässt sich gut eine Location-Frage loswerden und ein großes Publikum erreichen.

Fotografie-Foren im Internet

Die (digitale) Fotografie hat eine große Anhängerschar. Weit vor der Verbreitung sozialer Medien gab es schon Foren für alle möglichen Bereiche. Angefangen von der Technik über Rechtliches bis zu Locations. Zwei gelungene Foren greife ich heraus:

  • dslr-forum.de: Das DSLR-Forum hat neben Regionalforen auch ein Unterforum zur Location-Suche.
  • fotocommunity.de: Das größte deutsche Foto-Portal hat ebenfalls ein großes Forum, das zwar nicht so detailliert strukturiert ist, aber viele auskunftswillige Fotografen auch im Bereich Locations hat.

Foto-Portale und -Dienste

Flickr-Karte

Flickr-Karte von Köln

Die klassischen Foto-Portale sind trotz weit verbreiteter sozialer Medien beliebt. Sie müssen allerdings Schritt halten und immer neue Features bieten, um nicht unterzugehen. Eines davon sind die Geo-Informationen. Auf einer zoombaren Karte lassen sich direkt Fotos betrachten. Bei großen Portalen findet man auch bei hoher Zoomstufe noch eine Menge Bilder:

Leider ist eine Filterung nach Thema bzw. Schlagwort nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich.

Lokale Webseiten

Wenn man nicht schon über eine Suchmaschine hierher gelangt ist, sollte man Webseiten der anvisierten Region direkt ansteuern. Die Qualität ist stark vom Betreiber und Beliebtheit der Gegend abhängig. Oftmals finden sich aber detaillierte Information zu sehens- bzw. fotografierenswerten Orten, die in Reiseführern fehlen.

Broschüren, die teilweise den gedruckten Exemplaren der Touristeninformationen entsprechen, stehen häufig zum Download bereit.

Foto-Location-Webseiten

Wenn viele Menschen das gleiche Bedürfnis haben, entsteht ein Dienst. Auch die Location-Suche hat einige (wenige) Spezialisten hervorgebracht. Wie so vieles im Internet, leben auch diese von einer aktiven Community. Es wird fotografiert, beschrieben, bewertet und geteilt. Beispiele:

  • 22 places: Junge, aber dynamisch wachsende Location-Plattform
  • Fotoshooting Locations: Ursprünglich für (professionelle) Shootings, mittlerweile aber auch „touristisch“ für Amateure
  • Top Photo Spots (beta): neue, englischsprachige Seite für Locations, leider keine Karte

Foto-Walks und Führungen

Zum Schluss noch ein Tipp, der nicht nur die Suche, sondern auch direkt das Fotografieren umfasst: Foto-Walks. Hier treffen sich Gleichgesinnte vor Ort (meist eine Stadt oder Stadtteil), um diesen fotografisch zu erforschen.

Man entdeckt gemeinsam Foto-Spots, kommt ins Gespräch und teilt Tipps und Erfahrungen. Das ist sehr interessant, aber nicht jedermanns Sache. Das spannende Erforschen neuer Gebiete ist nicht mehr der eigene „Triumph“.

Die Foto-Spaziergänge kommen aus den USA und sind dort sehr beliebt. Aber auch hierzulande wächst die Anhängerschar. Bei Scott Kelby’s Worldwide Photowalk und auf Facebook werden laufend Termine angeboten.

Die allgemeine bzw. „Old School“-Variante der Foto-Walks sind Führungen. In vielen Regionen und Städten auf der ganzen Welt werden diese angeboten: Sei es ein Bootsausflug auf dem East River, eine Kulturführung im Kölner Dom oder eine Wanderung im Alpenvorland. Wenn auch hier die Motive nicht allzu überraschend sein werden, die Hintergrundinformationen sind immer nützlich. Zudem sind einige Ecken nicht öffentlich und nur während der Führung erreichbar.

Fazit

Wer die genannten Tipps der Location-Suche ausschöpft, sollte einige konkrete Motive in der angepeilten Region ausfindig gemacht haben. Der Grundstein für eine erfolgreiche Foto-Reise bzw. -Session ist damit gelegt.

Für alle Fälle sollte man sich aber einen Plan B zurecht legen. Bei widrigen Umständen muss man auf alternative Locations zurückgreifen. Das gilt vor allem bei schlechtem Wetter. Das können z.B. Kirchen, Museen oder Bahnhöfe sein. Beim sonst sonnenbeschienenen Traumstrand kann man bei Regen mehr Augenmerk auf Details wie Muscheln legen.

Aber auch damit ist nur die Hälfte der Miete eingefahren. Der zweite Teil der Artikelserie „Wie finde ich die richtigen Foto-Locations“ zielt auf die Vorbereitung.

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